Altes Foto einer Klasse

Stein in der Geschichte: Die Gründungsjahre

Theresia Schilling im Gespräch mit Angelika Ziegler – ehemalige Schülerin der ersten Stunde und viele Jahre lang die »First Lady« der Schule Schloss Stein

Geboren wurde Angelika Ziegler 1936 in Berlin, ihre Eltern waren Schauspieler. 1942 musste sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Oberschlesien – wie so viele andere – verlassen. Die Russen kamen immer näher. Die 3 waren unter äußerst gefährlichen Bedingungen auf dem Weg zur Schwester der Mutter in den Chiemgau, als sie in Salzburg im Bahnhof in einen Tieffliegerangriff gerieten. Doch irgendwann landeten sie doch noch bei den Verwandten in Übersee.

Bald stellte sich die Frage nach einer Schule für die Tochter! Wo findet man auf dem Land ein Gymnasium, dann auch noch für ein Mädchen?

In Marquardstein wurde sie schließlich aufgenommen. Das Internat war aufgrund vieler Flüchtlingskinder total überfüllt, hatte daher eine Zweigstelle in der Nähe von Grabenstätt in einem Gutshof. Hierher wurde daher die Unterstufe ausgelagert.

Hier lernte Angie am ersten Tag ihres Schulbesuches ein sehr sympathisches Mädchen kennen: Isolde Wiskott.

Die beiden Mädchen mochten sich auf Anhieb und waren fortan unzertrennlich. Iso kam aus Stein an der Traun und war ein verwöhntes »Schlossfräulein«, so Angelika Zieglers Worte. Aber zu der Zeit war das Schloss in amerikanischer Hand und diente als Offizierscasino. Die Familie war ausquartiert! Sie musste in einer kleinen Wohnung in der Nähe von Stein leben.

Frau Ilse Wiskott – Isos Mutter – besuchte die Kinder oft und gerne, las ihnen Geschichten vor, ging mit ihnen spazieren, beschäftigte sich mit ihnen.

Bei einem dieser Besuche äußerte sie dann den bekannten Satz: »Kinder, lasst uns unsere eigene Schule machen!«

Nach viel Mühe, Bürokratie und Anstrengungen konnte sie tatsächlich ihren Plan in die Realität umsetzen: Aus dem Schloss durfte nach Rückkehr der Familie tatsächlich eine Schule mit Internat werden.

Wie Internat geht, wusste Frau Wiskott von den Internaten ihrer älteren Kinder (unter denen auch Olaf Ziegler, der irgendwann von seiner Mutter übernehmen würde).

Mit einer Hand voll Kindern fing dann alles an.

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Angie war noch nicht sofort dabei, dafür musste sie bei ihrem Vater erst sehr lange betteln, denn er war der Meinung, dass Frau Wiskott von Pädagogik keine Ahnung habe. Schließlich gab er aber dem Flehen von Angie und Iso nach, so waren die Freundinnen endlich wieder vereint.

Die hygienischen Zustände in der alten Schule waren alles andere als gut, kein warmes Wasser, Ungeziefer, einmal in der Woche wurden die Kinder abgebraust, wohlgemerkt mit kaltem Wasser.  Dagegen war das Schloss für die Kinder ein Paradies.

So kam es 1948 offiziell zur Gründung der Schule und des Internats: Schule Schloss Stein.

Es wurde im Stile der Landerziehungsheime geführt, die Schule bot das gymnasiale Programm jener Zeit. Abitur durfte lange nicht an der Schule abgenommen werden – dazu mussten die Schüler anfangs sogar bis nach München. Stolz waren Frau Wiskott und die Lehrer auf ihre Schützlinge, die ihre Prüfungen mit Bravour bestanden.

Schon damals gab es neben der Schule die Brauerei und einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Bis zu ihrem viel zu frühen und völlig unerwarteten Tod 1964 wirkte Frau Ilse Wiskott als Schulvorstand an „ihrem“ Internat. Mehr über ihre Wirkungsjahre in den 50er und 60er Jahren erwartet Sie in Kürze in weiteren Blogartikeln.