April | 2026
Am Mittwoch, den 15.04., war die Schauspielerin Patricia Litten bei uns zu Gast. Im Rahmen des »Forum der Jugend« las sie aus dem Buch ihrer Großmutter »Eine Mutter kämpft gegen Hitler« und kam dabei immer wieder mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch.
Die Lesung, die ihre eigene Familiengeschichte thematisiert, ging tief unter die Haut und ließ viele nachdenklich zurück.
Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas haben wir den Abend in gemeinsamer Runde ausklingen lassen – zunächst bei einem Buffet im Schloss und anschließend, ganz traditionell, in kleiner Runde bis in den späten Abend hinein im 2. Stock des Schlosses.
Liebe Patricia, wir danken Dir sehr herzlich für Deinen Besuch bei uns in Stein.
Es folgt der Nachbericht der unabhängigen Berichterstatterin Pia Mix:
Forum der Jugend: Patricia Litten erzählt von Leben und Tod ihres Onkels Hans Litten
Stein an der Traun. Im Rahmen der Reihe „Forum der Jugend“ an der Schule Schloss Stein war diese Woche Patricia Litten zu Gast. Sie las aus dem Buch „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“, das ihre Großmutter Irmgard Litten 1940 geschrieben hat. Darin wird sehr eindringlich beschrieben, wie der junge, engagierte Rechtsanwalt Hans Litten, Onkel von Patricia Litten, Opfer des Nationalsozialismus wurde.
„Heute läuft wieder so vieles aus dem Ruder“
Patricia Litten, mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin, gab bei der Lesung Einblick in ihre eigene Familiengeschichte und betonte, sie wolle die Zuhörer und vor allem die Schüler damit zum Nachdenken anregen, denn eines sei sehr wichtig: „Wir müssen alles dafür tun, dass nie wieder solche Strukturen herrschen wie in der Zeit des Nationalsozialismus, wir müssen wach bleiben.“ Was damals passiert ist, könne auch in einer „vermeintlich geschützten Demokratie passieren, wenn wir nicht aufpassen.“ Auch heute gebe es ähnliche Vorfälle in manchen Autokratien auf der Welt, in denen die Opposition mundtot gemacht, Leute weggesperrt werden. Patricia Litten ist der Meinung: „Heute läuft wieder so vieles aus dem Ruder.“ Sie halte ihren Vortrag über Hans Litten immer wieder, um die Erinnerung wach zu halten, und auch für alle Kinder der Welt, die „nicht in einer privilegierten Lage sind, sondern an Kriegsschauplätzen leben oder auf der Flucht sind, weil alte narzisstische Männer Unheil über die Welt bringen“.
Hitler drohte mit Auslöschung der Familie
Hans Litten setzte sich früh und entschlossen gegen den aufkommenden Nationalsozialismus zur Wehr. 1931 zwang er Adolf Hitler im Gerichtssaal als Zeugen in eine stundenlange Befragung und entlarvte dabei die antidemokratische Ausrichtung der NSDAP. Es war ein Akt außergewöhnlicher Zivilcourage und großen Mutes. Hitler soll schon damals geäußert haben: „Sobald es in meiner Macht steht, lösche ich diese Familie aus.“
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Hans Litten dann im Februar 1933 zusammen mit vielen anderen politischen Gegnern der Nationalsozialisten verhaftet, über Jahre hinweg schwer misshandelt und durchlief mehrere Konzentrationslager. Die ständigen Verhöre und Folterungen nahmen ihm seine Würde, machten den Mann kaputt und dennoch hielt er fünf Jahre lang durch. Seine Mutter unternahm in all dieser Zeit unzählige Versuche, ihn freizubekommen, bot sich sogar selber im Austausch für ihren Sohn als Gefangene an. Nichts half jedoch und 1938 starb Hans Litten schließlich im Konzentrationslager Dachau.
Seine Mutter Irmgard Litten verarbeitete das Schicksal ihres Sohnes in ihrem eindringlichen Buch. Darin schilderte sie nicht nur die Verfolgung ihres Sohnes, sondern auch ihren verzweifelten und unermüdlichen Kampf um seine Freilassung.
Pia Mix | freie Berichterstatterin | 18.04.2026
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