Juni | Bilder & Text Hubert Hobmaier
Traunstein. Im Rahmen einer festlichen Feierstunde im Kulturforum Klosterkirche zeichnete der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein Dr. Alfred Kotter in diesem Jahr mit dem Max-Fürst-Preis aus. Anna Kranzbühler Garcia von der Schule Schloss Stein erhielt den Jugendpreis und die Klasse 8c des Annette-Kolb-Gymnasiums in Traunstein wurde mit dem Anerkennungspreis gewürdigt. In seinen Dankesworten brachte der diesjährige Preisträger und „Vater der Auszeichnung“ nicht nur seine Freude zum Ausdruck, sondern richtete auch nachdenkliche Worte an die Zuhörer, wobei er auch seine kürzlich verstorbene Mutter Rosemarie Kotter zitierte.
Der Max-Fürst-Preis ist eine Auszeichnung, die vom Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein verliehen wird. Er wurde nach dem Traunsteiner Maler und Heimatforscher Max Fürst benannt und wird an Personen verliehen, die sich für die Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Chiemgaus engagiert haben. Der Preis wurde erstmals 2002 vergeben und hat sich als bedeutendes Instrument zur Anerkennung von Verdiensten in der lokalen Geschichtsforschung etabliert.
Wie der Vereinsvorsitzende Gernot Pülz in seiner Begrüßung sagte: „Heute steht nicht Fußball, sondern etwas viel Besseres auf dem Programm.“ Damit brachte er seine Freude zum Ausdruck, dass der Max-Fürst-Preis in diesem Jahr zum 25. Mal verliehen wird. „Er stellt verdiente Heimatforscher und Historiker in den Mittelpunkt und gibt ihnen die verdiente öffentliche Würdigung“, so Gernot Pülz, der sich außerdem darüber freute, „dass man in diesem Jahr mit Dr. Alfred Kotter den Vater des Preises auszeichnen dürfe“.
Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer richtete sein Grußwort auch als stellvertretender Landrat an die Zuhörer. Er betonte: „Den wahren Reichtum erkennt man nicht nur in den Finanzzahlen einer Gemeinde.“ Weiter sagte Christian Hümmer: „Gerade die intensive Beschäftigung mit der Geschichte ist daher für unsere Stadt und den gesamten Landkreis Traunstein extrem wertvoll. Wenn man sich mit der Geschichte auseinandersetzt, dann kann man die Gegenwart besser verstehen.“ Neben den Glückwünschen an den Preisträger ergänzte er: „Wir ehren heute einen wirklich verdienten Preisträger und der Max-Fürst-Preis kommt damit auch sprichwörtlich nach Hause.“
Die Idee zu diesem Preis hatte vor 25 Jahren der diesjährige Preisträger Dr. Alfred Kotter. Der Historiker, Museums- und Ausstellungsexperte Prof. Dr. Manfred Treml würdigte den diesjährigen Preisträger als einen Menschen, der „stets den Blick auf das Übergeordnete behält“ und „durch und durch Lehrer sei“. Darüber hinaus skizzierte er einige Meilensteine in dessen Karriere, die als Lehrer am Chiemgau-Gymnasium begann und ab 2010 zur Leitung des Rottmayr-Gymnasiums in Laufen führte. Im Jahr 2017 wurde er zum Leiter der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) in Dillingen ernannt.
Gleichzeitig würdigte der Laudator den Preisträger als Familienmenschen mit einem „bemerkenswerten ehrenamtlichen Engagement“, gerade auch in der Aufarbeitung der lokalen Geschichte. Wörtlich sagte Professor Treml: „Du, lieber Alfred, hast dir die lokale Geschichte zur Lebensaufgabe gemacht und leistest damit einen unermesslichen Beitrag zur Demokratieerziehung.“ Dabei hob er insbesondere den Jugendpreis hervor, den er als „eine deiner besten Erfindungen“ lobte. Junge Leute zur Geschichtsforschung zu ermutigen, sei ein wichtiger und prägender Impuls.
Neben seiner großen Freude über den Preis betonte der Geehrte mit einem Augenzwinkern: „Aus meiner Sicht hat diese Ehrung auch kein Gschmäckle, weil ich ja seit 2018 nicht mehr im Vorstand des Historischen Vereins aktiv bin.“ Gleichzeitig brachte er auch seine Freude darüber zum Ausdruck, dass mit dem Max-Fürst-Preis etwas Nachhaltiges gelungen sei. Dies zeige sich unter anderem darin, dass die Adelholzener Alpenquellen seit der ersten Stunde dabei seien und auch in diesem Jahr den Preis gestiftet hätten.
In seiner Ansprache fand der Preisträger aber auch mahnende und nachdenkliche Worte. „Erinnerungsarbeit darf keine blinden Flecken haben und muss gegebenenfalls schmerzen“, so Dr. Alfred Kotter. Gleichzeitig lobte er die Jugendlichen der Nachwuchspreise: „Sie haben uns sehr deutlich gezeigt, wo wir den Blick hinrichten müssen.“
Gleichzeitig griff er die Ludwig-Thoma-Straße in Traunstein sowie den Traunsteiner Stadtpark auf und fragte kritisch: „Soll diese Straße weiterhin den Namen tragen, auch wenn man zum Zeitpunkt der Benennung noch nicht wusste, dass Ludwig Thoma eine rechtsextreme Gesinnung hatte?“ Kritisch äußerte er sich auch gegenüber dem Stadtpark, der zwar den Soldaten eine Ehrung darstelle, andere Opfergruppen jedoch außen vor blieben. Deshalb sprach er sich für einen Ausbau zu einem Gedenkort für alle Opfer aus und stellte fest: „Gedenkort statt Eventort.“
Zum Abschluss seiner Ausführungen kam Dr. Alfred Kotter noch auf seine vor wenigen Wochen verstorbene Mutter Rosemarie Kotter zu sprechen. Er erzählte von einer Angst, die sie bis zu ihrem Sterbebett begleitet habe. Sie ist in Berchtesgaden aufgewachsen und war auch mit der Familie von Martin Bormann am Obersalzberg in Kontakt. „Die Angst, etwas Falsches zu sagen, was auf die Familie zurückschlägt und womöglich den Verlust der Freiheit bedeutet hätte, begleitete sie ihr Leben lang“, so Alfred Kotter. Er erzählte weiter: „Demokratie ist ein heiliges Wort“, einer ihrer letzten Sätze.
Am Jugendpreis der diesjährigen Verleihung beteiligten sich drei Bewerbungen aus der Schule Schloss Stein sowie jeweils eine Bewerbung vom Annette-Kolb-Gymnasium und von der FOS/BOS Traunstein. Die beiden Vorstandsmitglieder des Historischen Vereins, Katharina Friedrich und Gudrun Perchermeier, präsentierten den Gästen die unterschiedlichen Inhalte und würdigten die Teilnehmer für ihre durchweg guten und interessanten Beiträge.
Anna Schemmer von der FOS/BOS Traunstein befasste sich in ihrem Beitrag mit dem Tourismus im Schatten der Geschichte, insbesondere mit dem Obersalzberg als Erinnerungsort mit gesellschaftlicher Verantwortung. Betreut wurde die Arbeit von der Lehrerin Monika Bürgmann. Liv Erdmann von der Schule Schloss Stein schrieb eine Seminararbeit zum Thema „Alois Magg: Beispiel eines von der NS-Diktatur politisch Verfolgten im Chiemgau“, und Ruizhe Zang thematisierte die „NS-Verfolgung und Erinnerungskultur im Chiemgau: Das Beispiel des Trostberger SPD-Politikers Josef Kiene“.
Die Seminararbeit von Anna Kranzbühler Garcia unter dem Titel „Spanische Häftlinge im KZ-Außenlager Trostberg: Das Beispiel von Emeterio López López“ überzeugte letztlich die Jury am meisten. Die Schülerin hatte unter anderem Gespräche mit den Nachkommen geführt und konnte zahlreiche Quellen in ihrer Ausarbeitung anführen. Freudestrahlend durfte Anna Kranzbühler Garcia dafür den diesjährigen Max-Fürst-Jugendpreis in Empfang nehmen. Alle drei Seminararbeiten der Schule Schloss Stein wurden vom Lehrer Korbinian Kollmeier betreut.
Mit einem Anerkennungspreis hingegen wurden die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8c des Annette-Kolb-Gymnasiums Traunstein gewürdigt. Sie wurden insbesondere für ihre Kreativität ausgezeichnet, die sie mit ihrem selbst entwickelten Spiel „MONOLUGGI“ an den Tag gelegt haben. Das Spiel lehnt sich an den Spieleklassiker Monopoly an und vermittelt historische Kenntnisse zur Traunsteiner Ludwigstraße.
Den Abschluss des Festaktes im Kulturforum Klosterkirche bildete ein Stehempfang, an dem sich neben den Preisträgern auch zahlreiche Gäste und Teilnehmer der Preisverleihung beteiligten. Während des Festaktes sorgte die „Obermooser Musi“ aus Oberteisendorf für die musikalische Begleitung.
Worte des Dankes fand Gernot Pülz am Ende für alle, die sich in die Vorbereitungen und in die Durchführung eingebracht hatten. Insbesondere richtete er Dankesworte an die Adelholzener Alpenquellen sowie an Landrat Andreas Danzer beziehungsweise den Landkreis Traunstein für die finanzielle Unterstützung bei den Preisen und Gewinnen. Abschließend dankte der Vorsitzende auch der Stadt Traunstein für die Überlassung der Räumlichkeiten sowie der Stadtgärtnerei für den Blumenschmuck zur Verleihung des diesjährigen Max-Fürst-Preises.
Text und Bilder
Hubert Hobmaier
Bildtext Titelbild
Über den diesjährigen Max-Fürst-Jugendpreis darf sich Anna Kranzbühler Garcia (gelbes Kleid) freuen. Traunsteins Oberbürgermeister und stellvertretender Landrat Dr. Christian Hümmer, ihr Lehrer Korbinian Kollmeier (von links) sowie die Laudatorin Katharina Friedrich zählten zu den ersten Gratulanten und freuten sich mit der Preisträgerin von der Schule Schloss Stein.
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