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Das W-Seminar Geschichte

März | 2026

Das W-Seminar ist ein zentraler Bestandteil der gymnasialen Oberstufe in Bayern. Über eineinhalb Jahre hinweg beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler intensiv mit einem wissenschaftlichen Thema, erlernen Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und verfassen eine umfangreiche Seminararbeit. Ziel ist es, eigenständiges Forschen zu fördern und gezielt auf die Anforderungen eines Studiums vorzubereiten.

Auch an der Schule Schloss Stein entstehen im Rahmen der W-Seminare regelmäßig bemerkenswerte Arbeiten. Ein besonderes Beispiel ist das abgeschlossene W-Seminar im Fach Geschichte unter der Leitung von Korbinian Kollmeier.

»Die Seminararbeit von Anna Kranzbühler García widmet sich einem bislang wenig beachteten Kapitel regionaler NS-Geschichte und zeigt eindrucksvoll, welchen Beitrag schulische Forschung zur Erinnerungskultur leisten kann.«

Korbinian Kollmeier | Geschichtslehrer & Seminarleiter

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Interview mit Anna Kranzbühler García

In welchem Fach hast du deine W-Seminararbeit geschrieben und warum?
Ich habe meine Seminararbeit bei Herrn Kollmeier im Fach Geschichte geschrieben. Das Rahmenthema unseres Seminars war die Aufarbeitung und Erinnerung an die NS-Zeit auf lokaler Ebene. Konkret ging es bei mir um die Spanier im KZ-Außenlager Trostberg.

Warum hast du dich für genau dieses Thema entschieden?
Grundsätzlich interessiere ich mich für Geschichte, gerade mit lokalem Bezug. Obwohl ich mittlerweile schon seit vier Jahren auf der Schule bin, kannte ich mich vorher nicht besonders gut mit der lokalen Geschichte aus. Das KZ-Außenlager Trostberg, von dem bis heute nur wenige wissen, war daher ein spannender Anhaltspunkt für mich. Das Thema »Spanier im KZ-Außenlager Trostberg« ergibt sich auch aus meiner persönlichen Verbindung zu Spanien, da ich halb Spanierin bin. Bis dahin wusste ich selbst sehr wenig über die Existenz von Spaniern im KZ-System.

Was war für dich die spannendste Erkenntnis während der Recherche?
Mich hat überrascht, wie unterschiedlich Spanien im Vergleich zu Deutschland mit seiner Vergangenheit umgeht. Besonders wertvoll war für mich das Interview mit einem Historiker des Instituts für Zeitgeschichte in München sowie die seltene Möglichkeit, mit den Verwandten eines spanischen Häftlings des KZ-Außenlagers Trostberg zu korrespondieren. Dadurch konnte ich ein Interview auch für kommende Generationen sichern.

Wie bist du bei deiner Recherche vorgegangen?
Ich habe intensiv in Online-Archiven sowie in Archiven vor Ort recherchiert. Ausgangspunkt war eine Liste des KZ-Außenlagers Trostberg. Anschließend schrieb ich an die Standesämter und Rathäuser der Geburtsorte der Häftlinge. Mithilfe von Sekundärliteratur konnte ich bestehende Lücken schließen. Da ich mich mit spanischen Quellen beschäftigte, musste ich zudem zahlreiche Inhalte übersetzen.

Was war die größte Herausforderung bei deiner Arbeit – und wie hast du sie gelöst?
Die größte Herausforderung war mein eigener Perfektionismus. Ich machte mir viele Sorgen um das Ergebnis, insbesondere wegen der historischen Verantwortung des Themas. Wir haben uns aktiv gegen das kollektive Vergessen eingesetzt und versucht, historische Ereignisse und persönliche Schicksale bewusst in Erinnerung zu halten. Dieser Anspruch erzeugte Druck, alles möglichst fehlerfrei und respektvoll darzustellen.

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Welche Fähigkeiten oder Erfahrungen nimmst du persönlich aus dem W-Seminar mit?
Ich habe gelernt, strukturiert und wissenschaftlich zu arbeiten, Erkenntnisse sauber festzuhalten und über meinen eigenen Schatten zu springen. Besonders prägend war auch der sensible Umgang mit Nachkommen von Opfern des Nationalsozialismus. Eine eindrückliche Erfahrung war zudem die Studienfahrt nach Krakau, insbesondere der Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Dort konnte ich mein Wissen über den Nationalsozialismus weiter vertiefen. Insgesamt wurde uns bewusst, wie wichtig der verantwortungsvolle Umgang mit Geschichte ist — besonders in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt und Erinnerungskultur für den Erhalt unserer Demokratie von grundlegender Bedeutung bleibt.

Welchen Tipp kannst du an die nächste W-Seminar-Generation geben?
Macht euch nicht zu viel Stress. Am Ende des Tages wird euer Engagement zu einem sehr guten Ergebnis führen. Nutzt die Gelegenheit, euch auszuprobieren, und sammelt Erfahrungen, die euch später im Studium helfen. Traut euch außerdem, Fragen zu stellen — die Lehrkräfte unterstützen euch und möchten euch bestmöglich begleiten.

Dein persönliches Resümee?
Ich würde das Thema jederzeit wieder wählen. Einen Teil des Drucks würde ich mir jedoch nehmen. Ich weiß heute, dass ich etwas sehr Wertvolles geleistet und eine Grundlage für weitere Recherchen geschaffen habe. Darauf bin ich stolz.

Wenn du dein W-Seminar in drei Worten beschreiben müsstest?
Erkenntnis – Arbeit – Verantwortung

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»Anna Kranzbühler García habe ich als sehr motivierte und engagierte Seminarteilnehmerin erlebt. Mit ihrer Arbeit und der dafür von ihr durchgeführten zeitintensiven Recherche ist es ihr gelungen, das Schicksal eines der bislang weitgehend völlig unbekannten Häftlinge des KZ-Außenlagers Trostberg zu erforschen. Annas Recherchen machen das konkrete Schicksal und den Weg von Emeterio López López aus dem spanischen Dorf Ciruelos del Pinar ins Außenlager Trostberg transparent und ermöglichen dadurch heute nicht nur den Zugang zur Biografie eines individuellen NS-Opfers, sondern leisten ebenso einen wertvollen Beitrag zur Erinnerungskultur in unserer Region.«

Korbinian Kollmeier | Geschichtslehrer & Seminarleiter

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Eine besondere Ergänzung zum Seminar stellte zudem die gemeinsame Studienfahrt nach Krakau dar. Der Besuch historischer Orte und Gedenkstätten ermöglichte den Schülerinnen und Schülern eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und vertiefte die im Seminar erarbeiteten Inhalte auf eindrückliche Weise.

Einen ausführlichen Bericht zur Studienfahrt finden Sie hier:
Studienfahrt nach Krakau und Auschwitz

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