Januar 2026 | Ida-Lena Zoglmann
Im März 2020 saß ganz Deutschland vor dem Fernseher und hörte die Worte der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel: »Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.« Kurz darauf folgten Lockdown, Maskenpflicht und tiefgreifende Einschnitte in den Alltag. Auch die Schule und das Internat Schloss Stein standen plötzlich vor völlig neuen Herausforderungen.
Trotz aller Einschränkungen gelang es in Stein, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Als Hausgemeinschaft, mit engmaschigen Testungen und großem Engagement des Erzieherteams, konnte weiterhin »Schule gemacht« werden. Die Erzieherinnen und Erzieher begleiteten die Internatsschüler nun auch vormittags, saßen mit ihnen im Klassenzimmer und betreuten den Onlineunterricht, während die Lehrkräfte von zu Hause aus zugeschaltet waren. Schnelltests am Morgen, das Warten auf ein oder zwei Striche und Begriffe wie PCR-Test oder Quarantänestation prägten diese Zeit. Für viele internationale Schülerinnen und Schüler wurde Stein in dieser Phase zum Lebensmittelpunkt, da eine Rückkehr in die Heimat lange nicht möglich war. Zusammenwachsen next Level, sozusagen. Trotz aller äußeren Umstände blieb Stein ein Ort des Zusammenhalts. Für viele bedeutete das Durchfahren des Steiner Tors ein kleines Stück Normalität, während sich die Welt draußen zunehmend isoliert anfühlte.
Im September 2020 kam ich selbst nach Stein. Kurz zuvor verabschiedeten sich Severin Murea und seine Ehefrau Gina aus der stellvertretenden Internatsleitung in den wohlverdienten Ruhestand. Mit Christian Matyszok kehrte ein für viele bekanntes Gesicht nach Stein zurück, der mit Schulbeginn im September 2020 als diplomierter Sozialpädagoge und approbierter Kinder- und Jugendpsychotherapeut die Aufgabe des stellvertretenden Internatsleiters an der Seite von Sebastian Ziegler übernahm.
In den folgenden Jahren veränderte sich Stein weiter – sichtbar und im Alltag spürbar. Zahlreiche Veränderungen und Projekte wurden angestoßen und umgesetzt: Die Studienzeit löste die Arbeitsstunde ab, der Samstagsunterricht wurde abgeschafft, der Fitnessraum modernisiert, das Sonnendeck am Kanal gebaut und das Café renoviert – um nur einige zu nennen.
Als sich die Lage langsam entspannte, kehrten auch gemeinsame Erlebnisse zurück. Ein sichtbares Zeichen dafür war der erste Winterball am 28. Januar 2023, initiiert von Christian Matyszok. Nach monatelanger Vorbereitung und Tanzkursen wurde er zu einem Abend, der Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie die Leitung zusammenbrachte – ein festlicher Moment, der sich ganz fest im Steiner Kalender verankert hat.
Über diese Jahre ließe sich noch vieles erzählen. Am eindrücklichsten aber können dies jene, die sie selbst erlebt haben. Im Folgenden lesen Sie persönliche Rückblicke von Steinerinnen und Steinern dieser Zeit – von Internatsschülern aus München bis Mexiko-Stadt, von Tagesschülerinnen und Tagesschülern von Altenmarkt bis Freilassing und Rückkehrern aus dem Schwarzwald. Viel Freude bei der Lektüre.
»Aus der Not entstand aber eine ganz besondere Zeit. Besonders im Internat wuchs die Gemeinschaft noch stärker zusammen, als das ohnehin schon der Fall war. Alle, die dabei waren, werden sich daran lange erinnern. Halbinterne Schüler kamen teilweise ins Internat, um ein Leben mit anderen Jugendlichen führen zu dürfen. Das Gesundheitsamt gestattete uns den Internatsbetrieb unter strengen Auflagen – damit sind die Steiner in diesen Jahren die große Ausnahme. Die Gemeinschaft erleben zu dürfen, auch wenn der Unterricht natürlich weitgehend digital stattfinden musste, war etwas Besonderes. Ausnahme waren die Kollegen, die sich ebenfalls ins Internat begaben und diese Zeit ebenfalls als besondere Erfahrung in ihrer Erinnerung behalten werden.«
Sebastian Ziegler | Gesamtleiter
»Ich kenne meine Steiner Freunde wie kaum jemand sonst. Wir haben unendlich viel Zeit miteinander verbracht, und alles, was man außerhalb der Schule machen wollte, wurde uns ermöglicht. Dafür schätze ich Stein sehr.«
Johannes Vietmeyer | Abitur 2023
»Es war ein Zuhause, in dem man gemeinsam gewachsen ist, gelacht hat und über sich hinausgewachsen ist.«
Dylan Bauer | Abitur 2020
Wenn ich an meine Zeit im Internat Schule Schloss Stein zurückdenke, erinnere ich mich an prägende und ereignisreiche Jahre.
Meine erste reguläre Woche in Stein war das Skilager 2015 – und spätestens nach dieser Woche hätte mir niemand mehr den Wunsch nehmen können, meine gesamte Schulzeit hier zu vollenden. Von Anfang an wurde ich von meinen neuen Klassen- und Schulkameraden herzlich aufgenommen. Die Offenheit, der Zusammenhalt und das soziale Engagement, die einem in Stein vermittelt und vorgelebt werden, machen diesen Ort zu etwas ganz Besonderem.
Besonders lebendig sind mir die Donnerstage im Gasthof Martini in Erinnerung, wenn wir nach dem wöchentlichen Fußballspiel völlig ausgepowert, aber zufrieden zusammensaßen. Diese Abende hatten etwas Verbindendes und stärkten mein Gefühl von Heimat.
Ebenso unvergessen bleiben die alljährlichen Kämpfe gegen die anderen Internate – sportliche Wettkämpfe, die den Teamgeist gestärkt und ein starkes Gefühl von Zusammenhalt geschaffen haben. Genau diese gemeinsamen Erlebnisse, das Miteinander und das Wir-Gefühl haben meine Steinzeit zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Eine ganz eigene Herausforderung war es, der erste Corona-Abiturjahrgang zu sein. Diese Zeit war zugleich spannend und stark einschränkend: Unterricht unter besonderen Bedingungen, Unsicherheit, veränderte Abläufe und ein Abitur, das niemand zuvor so erlebt hatte.
Umso mehr hat uns diese Phase zusammengeschweißt und uns gelehrt, flexibel zu sein und füreinander einzustehen.
Umso größer war auch das Glück, dass wir in der 11. Klasse unsere Klassenfahrt nach Barcelona noch antreten konnten. Diese Reise war ein Highlight – voller Leichtigkeit, gemeinsamer Erinnerungen und dem Gefühl, noch einmal unbeschwert Zeit miteinander zu verbringen. Rückblickend war diese Fahrt ein Geschenk und ein besonderer Moment innerhalb unserer gemeinsamen Schulzeit.
Es war eine besondere Zeit meines Lebens, gefüllt mit Gemeinschaft, Freundschaften und unvergesslichen Momenten – ganz so, wie es meine Eltern bereits während ihrer Zeit in diesem Internat erlebt hatten. Stein war mehr als nur eine Schule: Es war ein Zuhause, in dem man gemeinsam gewachsen ist, gelacht hat und über sich hinausgewachsen ist.
Dylan Bauer | München
»Die Zeit in Stein hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, hinter den eigenen Entscheidungen zu stehen.«
Moritz Liebl | Abitur 2021
Ich bin Mitte 2017 nach Stein gekommen. Davor war ich auf einer Realschule in Traunstein und ehrlich gesagt alles andere als ein Überflieger, dem man zugetraut hätte, das Abitur zu schaffen.
Nichtsdestotrotz habe ich mich auf die Aufnahmeprüfung eingelassen und war in den ersten Wochen intern. Mein Zimmerkollege war Jan S., der mir gleich gezeigt hat, wie alles abläuft. Das hat mir sehr geholfen, einen eigenen Rhythmus zu finden.
Natürlich war anfangs alles neu und ziemlich viel auf einmal, aber mit der Zeit hat man sich schnell daran gewöhnt. Meine Klasse habe ich sehr gemocht, vielleicht auch deshalb, weil sich alle irgendwie ergänzt haben. Wir hatten viel Spaß – und klar, der Unterricht war nicht immer »geil«, aber wir haben das Beste daraus gemacht.
Meine Lieblingsfächer waren Kunst und Geografie und erstaunlicherweise auch Französisch, obwohl ich dafür jeden Tag Nachhilfe hatte.
Aus der Sicht von Herrn Ziegler war ich sicher kein einfacher Schüler – jemand mit Ecken und Kanten, der Regeln auch mal hinterfragt hat und für den Tätowierungen selbstverständlich dazugehörten. Trotz unterschiedlicher Vorstellungen haben wir einen toleranten und respektvollen Umgang miteinander gefunden. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir seine Abschlussworte über mich, in denen er betont hat, wie wichtig es sei, konsequent hinter den eigenen Entscheidungen zu stehen und mir das unbedingt beizubehalten. Das hat mich sehr stolz gemacht.
Abschließend kann ich sagen: Es war eine aufregende Zeit mit Höhen und Tiefen – aber auch eine Zeit, die mich und meinen Charakter stark geprägt hat.
Danke für alles, was ich erleben durfte.
Moritz Liebl | Freilassing
»Diskussionen waren oft offener, weil man nicht das Gefühl hatte, nur für eine Note zu sprechen, sondern weil man wirklich miteinander geredet hat.«
Kilian Reichelt | Abitur 2021
Wenn ich heute an meine Zeit in Stein zurückdenke, dann ist es nicht ein einzelner Moment, der mir sofort einfällt, sondern dieses ganz eigene Gefühl von Rhythmus, Nähe und Alltag, der irgendwie nie nur Alltag war. Stein hatte seine festen Punkte und gleichzeitig war kaum eine Woche wie die andere, weil sie immer von den Menschen und den kleinen Geschichten dazwischen gelebt hat.
Für mich begann die Woche meistens schon am Hauptbahnhof, mit dem Bus Richtung Stein. Dieser Weg war mehr als nur eine Strecke von A nach B. Man stieg ein, sah vertraute Gesichter, und noch bevor der Bus richtig aus der Stadt raus war, war man mitten in den Erzählungen vom Wochenende. Dieses gemeinsame Ankommen im Internatsleben hat die Woche für mich jedes Mal eingeläutet.
Was mir besonders im Kopf geblieben ist, sind die Nachmittage, an denen Sport nicht einfach Sport war, sondern ein Teil von Gemeinschaft. Basketball und Fußball gingen gefühlt immer, egal ob man nur kurz raus wollte oder plötzlich in einem richtigen Spiel gelandet ist. Ein echtes Highlight war für mich aber Brazilian Jiu Jitsu mit Herrn Matyszok. Das war fordernd und hat gleichzeitig den Kopf sortiert. Diese Mischung aus Konzentration, Respekt und dem Gefühl, zusammen besser zu werden, war typisch Stein.
Auch der Unterricht war in Stein auf eine besondere Art anders, ohne dass dadurch automatisch alles leichter wurde. Die Lehrer waren einem einfach näher, nicht nur im Klassenraum, sondern als Teil der Community. Man kannte sich, ist sich im Alltag ständig begegnet, und dadurch waren viele Gespräche direkter. Diskussionen waren oft offener, weil man nicht das Gefühl hatte, nur für eine Note zu sprechen, sondern weil man wirklich miteinander geredet hat. Das hat den Unterricht nicht immer bequem gemacht, aber häufig ehrlicher und irgendwie relevanter.
Und dann gab es diese Abende, die bis heute wie eigene kleine Kapitel wirken. Der Steiner Club war so ein Ort, an dem aus einem normalen Tag etwas Besonderes werden konnte. Vor allem das Auflegen mit Max Frauendörfer und fast noch mehr die Vorbereitungssessions davor. Gemeinsam Tracks suchen, Übergänge ausprobieren, diskutieren, was funktioniert und was nicht. Wenn es am Ende wirklich lief und man gemerkt hat, dass sich die ganze Vorbereitung gelohnt hat, war das ein gutes Gefühl.
Ein weiterer Fixpunkt war der Donnerstagabend im Martini. Die Vorfreude darauf war oft schon vorher spürbar. Es ging weniger ums Weggehen, sondern ums gemeinsame Rauskommen, zusammensitzen, reden, lachen und kurz den Kopf frei bekommen.
Zu den großen Highlights gehören für mich auch die Ausflüge. Skifahren mit Herrn Koch war jedes Mal ein kleines Abenteuer und hat die Gruppe immer wieder zusammengeschweißt. Genauso die Badeausflüge im Sommer mit Herrn Ziegler, einfach raus, Sonne, Wasser und dieses Gefühl, dass ein Nachmittag plötzlich viel größer sein kann als die Stunden, aus denen er besteht.
So schön diese einzelnen Erinnerungen sind, das eigentlich Besondere war für mich der Zusammenhalt. Die Möglichkeit, jederzeit von Freunden umgeben zu sein, ganz praktisch und ohne große Planung. Im Gang, beim Essen, nach dem Sport, abends noch auf dem Zimmer. Stein war dadurch nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern eine Zeit, die mich geprägt hat, vor allem weil man selten nochmal so dicht und so konstant mit seinen Leuten zusammen ist
– Kilian Reichelt | Icking
»Wir haben Erinnerungen geschaffen, ohne zu wissen, wie wertvoll sie Jahre später sein würden.«
Anna Sophia Krutzenbichler | Abitur 2022
Wenn wir heute an unsere Schulzeit zurückdenken, fühlt sich die »Steinzeit« fast an wie eine andere Epoche. Eine eigene kleine Welt, in der der Alltag zwar offiziell aus Unterricht, Klausuren und Stundenplänen bestand – inoffiziell aber aus Lachen, Gesprächen, Gemeinschaft.
In diesen Jahren sind wir zusammengewachsen. Wir haben viel gelacht, manchmal über die Schule, manchmal über uns selbst – und oft über Dinge, die heute vermutlich niemand mehr nachvollziehen kann.
Geprägt war diese Zeit von Ritualen, die schnell legendär wurden. Allen voran die berühmt-berüchtigten Martini-Abende: Abende, an denen man zusammensaß und den Tag ausklingen ließ. Und natürlich die Drei-Bier-Regel – pädagogisch vermutlich sinnvoll, von den Schülerinnen und Schülern damals eher mit verhaltener Begeisterung aufgenommen. Heute sorgt sie vor allem für Schmunzeln.
Vor einigen Wochen wurde ich gefragt, welche meine schönsten Erinnerungen seien. Beim Nachdenken fiel mir auf, dass sich erstaunlich viele davon in Stein abgespielt haben. Und das hat einen guten Grund:
Denn in Stein durfte ich einige der Menschen kennenlernen, die heute eine große Rolle in meinem Leben spielen – unter anderem meine beste Freundin. Tessa und ich waren vom ersten Tag an befreundet, teilten sofort alles miteinander. Ich ging sogar ihr zuliebe in die Basketball-Neigungsgruppe. Was zunächst nach einer sportlichen Zumutung klang, entwickelte sich überraschenderweise zu echtem Spaß. Meine basketballerischen Fähigkeiten sind bis heute… sagen wir: ausbaufähig. Ob meine Mitspieler genauso viel Spaß mit mir als Teammitglied hatten wie ich, lasse ich an dieser Stelle offen. Die Frage ist bis heute ungeklärt.
Ein absolutes Highlight war ohne Zweifel die Klassenfahrt nach Lissabon in der 11. Klasse im Jahr 2021. Eigentlich waren es nur ein paar Tage – rückblickend fühlt es sich an wie ein ganzes Kapitel unserer Schulgeschichte. Das Beeindruckende daran: Wir haben Erinnerungen geschaffen, ohne zu wissen, wie wertvoll sie Jahre später sein würden.
Ein weiteres, nicht ganz unwesentliches Detail dieser Lissabon-Fahrt darf dabei natürlich nicht fehlen: Das portugiesische Bier. Es begleitete uns – sagen wir – etwas regelmäßiger, als ursprünglich geplant. Natürlich immer nur in Maßen!
Aber das Wichtigste bleibt: In Stein durfte ich Menschen kennenlernen, die mir bis heute Halt geben, mich unterstützen und begleiten. Menschen, die geblieben sind.
Die Zeit in Stein bleibt für mich unvergessen: als eine Zeit des Zusammenhalts, der Freundschaften und der Erinnerungen, die uns geprägt haben und uns ein Leben lang begleiten werden.
– Anna Sophia Krutzenbichler | Altenmarkt
»Die Erinnerungen, die engen Freundschaften und das Gefühl von Gemeinschaft sind geblieben und es ist eine große Freude, immer wieder nach Stein zurückzukehren.«
Brunel Altabba | Abitur 2023
Mit zwölf Jahren kam ich aus Mexiko-Stadt nach Stein, aus einer deutschen Schule mitten in einer Millionenmetropole in ein Internat mit Schloss, Sportanlagen und klaren Strukturen. In den ersten Monaten war ich eher schüchtern und habe viel Zeit auf meinem Zimmer verbracht, vor allem mit Lernen und dem Üben der deutschen Sprache. Mit der Zeit habe ich jedoch verstanden und zu schätzen gelernt, welche Möglichkeiten Stein mir geboten hat: eine besondere Balance zwischen schulischem Lernen sowie sportlichem und sozialem Engagement. Genau diese Balance habe ich als entscheidend empfunden, nicht nur für meine persönliche Entwicklung, sondern auch für das Leben und den Zusammenhalt der Steiner Gemeinschaft.
Von 2018 bis 2023 war ich Internatsschüler in Stein und habe 2023 mein Abitur gemacht. In diesen fünf Jahren wurde Stein mehr als nur ein Schulort: Es wurde ein Zuhause. Wenn man mich gesucht hat, war ich selten auf meinem Zimmer. Meist war ich unterwegs, entweder in der Bibliothek, in der Sporthalle, auf dem Tennisplatz oder irgendwo auf dem Gelände, wo gerade gespielt, trainiert oder einfach Zeit miteinander verbracht wurde.
Sport war für mich immer ein verbindendes Element im Internatsleben. Unabhängig vom Jahrgang oder von sprachlichen Barrieren kam man zusammen, spielte miteinander und lernte sich kennen. Gerade dadurch entstanden Begegnungen und Freundschaften mit Steinern, mit denen man im schulischen Alltag vielleicht weniger Berührungspunkte gehabt hätte.
Sehr in Erinnerung geblieben sind mir die vielen Projekte, die ich gemeinsam mit anderen Steinern, darunter auch sehr enge Freunde, umsetzen durfte, immer unterstützt vom Internat. Ob Sonnendeck, renoviertes Gym, überarbeitete Zimmer oder das Café: Wir konnten Ideen einbringen, Verantwortung übernehmen und sichtbar Veränderung bewirken. Dabei wurde uns schnell bewusst, wie wichtig es ist, nicht nur für sich selbst was zu machen, sondern auch für die Steiner Gemeinschaft, und welchen nachhaltigen Einfluss dieses Engagement auf das Internatsleben haben kann. Besonders prägend war dabei auch Friedrich Hörmann, der sich stark in den Neigungsgruppen engagierte, zahlreiche Projekte leitete und ein wichtiger Teil des Internatslebens war.
Das Vertrauen und der Freiraum, den uns Erzieher wie Herr Matyszok, sowie der Internatsleiter Sebastian Ziegler gegeben haben, waren etwas Besonderes und haben uns ermöglicht, eigenständig zu arbeiten und über uns hinauszuwachsen.
Da ich insgesamt fünf Jahre in Stein war, habe ich mich jedes Jahr besonders darauf gefreut, die neuen Schülerinnen und Schüler aus Mexiko kennenzulernen. Sie waren für mich immer auch eine Erinnerung an zuhause und brachten eine offene, positive Energie mit, die das Internatsleben vielfältiger gemacht hat.
Rückblickend ist mir bewusst geworden, wie viele Menschen im Internat und an der Schule eine wichtige Rolle für mich gespielt haben. Jeder brachte seine eigene Stärke mit und genau dieses Zusammenspiel hat das Internatsleben so besonders gemacht. Besonders prägend waren für mich Herr Koch, Herr Matyszok und Frau Levannier. Sie waren jederzeit ansprechbar, engagiert und unterstützend, sowohl im Alltag als auch in herausfordernden Momenten.
Das intensivste und vielleicht auch lustigste Jahr war für mich die 10. Klasse (2020/21). Trotz der Corona-Zeit hatten wir gleich doppelt großes Glück: Zum einen durften wir als Internatsgemeinschaft zusammenbleiben, was den Alltag stabil und gemeinschaftlich gehalten hat. Zum anderen waren kurz zuvor für alle Schülerinnen und Schüler persönliche Computer eingeführt worden, wodurch der Unterricht deutlich technologischer wurde. Diese Kombination hat den schulischen Einstieg und das Lernen in dieser besonderen Zeit spürbar erleichtert. Dadurch konnten wir viel Zeit miteinander verbringen, gemeinsam Sport machen, an Projekten arbeiten und enge Freundschaften aufbauen, die bis heute bestehen.
Gegen Ende meiner Zeit in Stein war ich einerseits sehr dankbar für all das Erlebte, andererseits auch bereit für den nächsten Schritt. Oft hatten uns die Erzieher gesagt, dass wir erst später erkennen würden, wie besonders diese Zeit war. Damals habe ich das irgendwie nicht ganz glauben können.
Heute weiß ich, wie recht sie damit hatten und wie prägend diese Zeit wirklich war. Die Erinnerungen, die engen Freundschaften und das Gefühl von Gemeinschaft sind geblieben und es ist eine große Freude, immer wieder nach Stein zurückzukehren.
– Brunel Altabba | Mexiko-Stadt
»Von der Alpenüberquerung bis zu den kleinen Alltagsmomenten – all das hat meine Zeit in Stein unvergesslich gemacht.«
Maxim Binder | Abitur 2024
Meine Zeit in Stein begann 2019 und sie verlief alles andere als geradlinig. Insgesamt war ich bis 2024 Teil der Schulgemeinschaft, mit einer einjährigen Pause dazwischen. Diese Pause war nötig, denn ich hatte mir eine schwere Rückenverletzung zugezogen und ehrlich gesagt auch zeitweise die Lust an Schule verloren. Rückblickend war genau diese Phase ein Wendepunkt und gleichzeitig der Moment, in dem mir erst richtig bewusst wurde, was Stein und die Menschen dort für mich bedeuteten.
Was mich bis heute tief beeindruckt, ist der unfassbare Zusammenhalt an dieser Schule. Während meiner Verletzung haben sich nicht nur meine engsten Freunde, sondern auch viele Mitschüler, mit denen ich vorher weniger zu tun hatte, regelmäßig nach mir erkundigt. Selbst in dem Jahr, in dem ich nicht mehr in Stein war, wurde ich immer wieder gefragt, wann ich zurückkomme. All das, obwohl ich davor nicht gerade dafür bekannt war, mich immer vorbildlich zu benehmen. Genau das sagt für mich alles über den »Steiner Geist« aus.
Ich kam ursprünglich in der 9. Klasse nach Stein und war Vollinternatsschüler. Mein erster Tag war geprägt von einer extrem offenen, familiären Atmosphäre, und da ich das Internatsleben bereits kannte, fühlte sich alles sofort richtig an. Die Nähe zum Chiemsee, das große Sportangebot und die moderne Sporthalle haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass ich von Anfang an begeistert und neugierig war.
Die einjährige Pause von 2021 bis 2022 war trotz allem ein sehr wertvolles Jahr für mich. Ich habe mich zurück zum Sport gekämpft, meine Rückenschmerzen durch konsequenten Muskelaufbau nahezu vollständig in den Griff bekommen und in dieser Zeit mit 16 Jahren erfolgreich meinen Jagdschein bestanden. Noch kurz zuvor wäre ich in der 10. Klasse beinahe sitzen geblieben. Plötzlich hatte ich das »grüne Abitur« in der Tasche und zum ersten Mal das Gefühl: Vielleicht kann ich doch mehr, als ich mir selbst zugetraut habe. Genau deshalb habe ich mich entschieden, nach Stein zurückzukehren und dort auch mein Abitur zu machen.
Mit neuem Lerneifer zurückgekommen, schrieb ich direkt im ersten Test die beste Note der Klasse. Das blieb zwar ein einmaliges Erlebnis, aber der Spaß, den ich in den folgenden zwei Jahren mit meinen Klassenkameraden und – erstaunlicherweise – mit Lehrern hatte, die mich früher eher als anstrengend empfunden haben, war unbezahlbar. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die humorvollen Chemiestunden mit Herrn Glotz, in denen hitzig über die verlorene Meisterschaft des FC Bayern München diskutiert wurde.
Sport spielte für mich immer eine zentrale Rolle. Ich habe mir das Ziel gesetzt, die Auszeichnung »Sportler des Jahres« an der Schule Schloss Stein zu erreichen, und konnte mir diesen Traum im letzten Jahr tatsächlich erfüllen. Dazu kamen unvergessliche Erlebnisse wie die Alpenüberquerung mit dem P-Seminar Bike unter der Leitung von Herrn Koch, bei der wir an unsere Grenzen gingen und als Klasse noch enger zusammengewachsen sind.
Auch die Erzieher haben mich stark geprägt. In den früheren Jahren gab es mit Herrn Murea durchaus öfter Reibungen, was mir damals schwer fiel. Nach meiner Pause hatte ich jedoch Herrn Matyszok als Erzieher, der immer an mich geglaubt hat und mir half, meine Zweifel an mir selbst zu überwinden. Dass wir bis heute in Kontakt stehen, bedeutet mir sehr viel. Ebenso dankbar bin ich für das Vertrauen, das mir meine damalige Schulleiterin Theresia Schilling und der Internatsleiter Herr Ziegler entgegengebracht haben.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die vielen kleinen, aber prägenden Begegnungen: die unterhaltsamen Abendessen, das jährliche Eisbaden am Sonnendeck sowie die Zeit mit den Hausmeistern Gerhard und Besim, die immer einen lockeren Spruch parat hatten und den Alltag auf ihre Art bereichert haben. Ein ganz besonderes Highlight war außerdem, gemeinsam mit Küchenchef Werner Kraus auf die Jagd zu gehen und am Chiemsee meinen Abiturs-Rehbock zu erlegen.
Der »Steiner Geist« bedeutet für mich vor allem eines: Zusammenhalt. Nur wir, die dort waren, wissen, was man an diesem Ort erlebt, durch welche Lebensphasen man gemeinsam geht und wie sehr man sich gegenseitig trägt.
Wenn mir jemand früher gesagt hätte, dass ich meine Zeit in Stein einmal vermissen würde – die Lehrer, die Erzieher, meine Mitschüler und all das Chaos, das ich selbst nicht selten verursacht habe –, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Heute weiß ich, dass ich genau das tue.
Stein hat mein Leben positiv geprägt und mir Freundschaften fürs Leben geschenkt.
– Maxim Binder | Schwarzwald
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Dylan, Moritz, Kilian, Anna & Tessa, Brunel und Maxim, die ihre Erinnerungen und Einblicke mit uns geteilt haben – und vor allem dafür, dass sie sich trotz Klausurenphase oder Arbeitsalltag die Zeit dafür genommen haben. Eure Geschichten verleihen diesem Rückblick auf die Jahre 2020–2024 Leben und Authentizität – und zeigen, wie stark die Verbundenheit mit Stein auch unter besonderen Umständen geblieben ist.
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