Max-Fürst-Jugendpreis-Verleihung

Max-Fürst-Jugendpreis

Juni | 2026

Mit Anna Kranzbühler García, Liv Erdmann und Ruizhe Tom Zhang waren gleich drei Schülerinnen und Schüler der Schule Schloss Stein für den Max-Fürst-Jugendpreis nominiert.

Besonders freuen wir uns über den Erfolg von Anna, die mit ihrer historischen Forschungsarbeit die Jury überzeugte und den Max-Fürst-Jugendpreis gewann.

Herzlichen Glückwunsch an Anna sowie an Liv und Tom für ihre herausragenden Leistungen. Ein besonderer Dank gilt auch Herrn Kollmeier, der die Arbeiten im Rahmen des geschichtlichen W-Seminars begleitet hat.

Es folgt ein Nachbericht von Liv Erdmann, das Gratulationsschreiben von Karl Freller,MdL, Kultusstaatssekretär a.D. und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten sowie die Laudatio von Frau Perchermaier vom Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein zu Liv und Tom:

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Am 16.06.2026 waren wir zur Vergabe des Max-Fürst- und des Max-Fürst-Jugendpreises nach Traunstein eingeladen. Diese Preise werden seit 25 Jahren vom historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein organisiert. Der Max-Fürst-Preis, welcher dieses Jahr an Dr. Alfred Kotter ging, zeichnet jedes Jahr eine Persönlichkeit aus, die sich in der Heimatforschung engagiert und mit historischer Aufarbeitung beschäftigt. Gleichzeitig werden bei dieser Veranstaltung historische Arbeiten und lokale Projekte von Jugendlichen für den Max-Fürst-Jugendpreis nominiert, vorgestellt und eine der Einbringungen wird mit dem Preis geehrt. Für diesen Jugendpreis waren dieses Jahr, neben einem Projekt zur Ludwigstraße in Traunstein und einer Seminararbeit über den Obersalzberg, gleich drei Schülerinnen und Schüler unserer Schule nominiert – Anna, Tom und Liv aus dem geschichtlichen W-Seminar von Herr Kollmeier über Erinnerungskultur in Bezug auf lokale Beispiele. In den Arbeiten wurden die Machenschaften der NS-Diktatur beispielhaft dargestellt, vor allem mit Einzelschicksalen lokaler politischer Akteure und KZ-Gefangener, im konkreten Fall von Anna über einen spanischen Häftling, welcher im Außenlager Trostberg Gefangener war. Die Arbeiten beinhalteten Recherche mit E-Mails, Archivanfragen, Besuchen vor Ort von Schauplätzen und Archiven, das Auswerten von Quellen sowie das Finden, Führen und Auswerten von passenden Interviews. Dieser Aufwand wurde anerkannt. Nach einem einzelnen Vorstellen aller Projekte und Arbeiten wurde Anna mit dem Gewinnen des Max-Fürst-Jugendpreises geehrt. Nach der Veranstaltung ließen wir den Abend noch bei einem gemeinsamen Abendessen in Traunstein ausklingen.

Liv Erdmann, Abiturientin 2026

Folgend das Gratulationsschreiben von MdL Karl Freller, Kultusstaatssekretär a.D., Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten: 

Gratulationsschreiben Stiftung Bayerische Gedenkstätten
Gratulationsschreiben Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Die Laudatio von Frau Friedrich zu Anna:

»Kommen wir nun zum vorläufigen Höhepunkt des heutigen Abends:
Die Schülerin Anna Kranzbühler García vom Gymnasium Schloss Stein hat eine Arbeit bei Herrn Kollmeier im Seminar „Wie erinnern und warum? Erinnerungskultur an die NS-Diktatur und den Zweiten Weltkrieg…“ mit dem Titel „Spanische Häftlinge im KZ Außenlager Trostberg: Das Beispiel Emeterio López López“ verfasst und sich darin mit dem Schicksal des spanischen Kriegsgefangenen auseinandergesetzt und dabei bis dato unveröffentlichte Quellen erschlossen. Spanische Kriegsgefangene in Trostberg – diese Aussagen mag auch den ein oder die andere hier im Publikum überraschen. Die Seminararbeit zeichnet zunächst den Weg nach, den viele spanische Bürger, die auf der Seite der Republik kämpften, nach dem Erfolg der Franco-Diktatur 1939 auf sich nehmen mussten, wenn sie einer Verhaftung in Spanien entkommen konnten: zunächst in vermeintlicher Sicherheit im französischen Exil wähnend, waren sie dort als „Rote“ und durch ihre hohe Anzahl nicht willkommen; so gerieten sie in vielen Fällen als Anhänger des französischen Widerstands und als Gegner von Vichy und Nazi-Deutschland in deutsche Kriegsgefangenschaft und damit auch nach Deutschland; so erging es auch López López, der ab November 1944 im KZ Außenlager in Trostberg zur kriegsbedingten Zwangsarbeit gezwungen wurde;
Emeterio überlebte die Schikanen und Strapazen und kehrte nach dem Krieg nach Frankreich zurück und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1989 mit seiner Familie.
Anna Kranzbühler García wertet die Aufzeichnungen der Tochter Sylvia aus, ihr gelingt die Kontaktaufnahme und die Durchführung eines Interviews mit dem Sohn Raphaël und dem Enkel Simon López. Durch diesen Kontakt bekommt die Autorin Zugang zu Originalquellen, die bis dato zumindest im lokalen Bezug unerschlossen waren. Sie wertet Originaldokumente, Fotos, zwei Aufzeichnungen und Skizzen aus dem Familienbesitz der López‘ aus und nimmt sie als Abdrucke in ihre Arbeit auf. Diese genuin wissenschaftliche Arbeit verdient eine besondere Auszeichnung: hier wird echte Historikerinnenarbeit geleistet, in dem Originalquellen für die Öffentlichkeit kontextualisiert und für die Nachwelt bewahrt werden.
Der Podcast, der im Nachgang entstehen soll, mit einem Interview mit dem
Historiker Johannes Meerwald und den Originalstimmen der Nachfahren ist sicherlich ein kluger Weg, um auch für die künftigen Generationen die
Erinnerungen an eine Zeit wachzuhalten, die bald ihre letzten Zeugen verloren haben wird.
Der Max-Fürst-Jugendpreis 2026 geht hiermit an Anna Kranzbühler García
vom Gymnasium Schule Schloss Stein. Herzlichen Glückwunsch!«

Katharina Friedrich | Laudatorin

Die Laudatio von Frau Perchermaier zu Liv und Tom:

»Würdigung Max-Fürst-Jugendpreis-Bewerber 2026
An der Schule Schloss Stein leitete Herr Korbinian Kollmeier ein W-Seminar
(Wissenschaftspropädeutisches Seminar) mit dem interessanten und aktuellen Thema „Wie erinnern und warum? Erinnerungskultur an die NS-Diktatur und den Zweiten Weltkrieg in Bayern heute“. In diesem Zusammenhang befassten sich seine
Schülerinnen und Schüler mit konkreten lokalen Beispielen aus dem Chiemgau. Wir
verdanken ihm drei Bewerbungen um unseren Preis. Zwei davon stelle ich Ihnen jetzt vor:
Ruizhe Zhang beschäftigte sich mit dem Schicksal des Trostberger SPD-Politikers
Josef Kiene. Dieser Name dürfte manchem von Ihnen bekannt sein – als
verdienstvoller Stadtrat von Trostberg, als Landrat und als langjähriger
Landtagsabgeordneter. Nur wenige wissen, dass er sich energisch gegen den
aufkommenden Nationalsozialismus zur Wehr setzte: Er trat z.B. in
Wahlkampfveranstaltungen der Nationalsozialisten auf, mit rhetorischem Talent und
noch viel größerem Mut. Denn man muss sich vorstellen, wie aufgeheizt die
Stimmung damals war. Diesen Einsatz büßte er mit wiederholter Verhaftung und 140 Tage Aufenthalt im KZ Dachau.
Diesen Leidensweg zeichnet der Verfasser anhand zahlreicher Primärquellen
detailliert nach. Er schlägt vor, eine Website zu Josef Kiene zu erstellen, um so diese Facette seiner Biografie der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Liv Erdmann erarbeitete ebenfalls eine Untersuchung zum Seminarthema von Herrn
Kollmeier. Sie stellt den Trostberger Alois Magg dar; dieser war ebenfalls SPDMitglied und auch bei der Gewerkschaft und dem Reichsbanner aktiv. Er erlitt auch ein Schicksal, wie es für politisch Oppositionelle typisch war: zweimal verhaftet, bei  Verhören misshandelt, 4 Jahre KZ-Aufenthalt in Dachau, z.T. unter erschwerten Bedingungen wie Isolation und gekürzte Essensrationen.
An Alois Magg zeigt sich, wie man als Person doppelt unter die Räder kommen
konnte: Nach 1945 musste er sich für Straftaten verantworten, die er als „Kapo“, also eine Art Aufseher über andere Häftlinge, begangen hatte, z.B. soll er Mitgefangene geschlagen haben. Er wurde verurteilt, aber nach 6 Monaten vom Ministerpräsidenten begnadigt.
Die beiden eben beschriebenen Arbeiten beeindrucken insbesondere durch die
Vielzahl der Primärquellen, jeweils über 40 werden aufgezählt! Hier gebührt
natürlich Herrn Kollmeier große Anerkennung, der seine Schüler an die
Urkundenarbeit herangeführt hat, im Stadtarchiv Trostberg, im SPD-Archiv
Trostberg, im Staatsarchiv München und im Archiv des Landesamtes für Finanzen,
teil sogar durch persönliche Besuche.
Wir gratulieren allen Schülern und den betreuenden Lehrkräften zu ihren Arbeiten,
die einen wichtigen Beitrag zur Lokalhistorie darstellen. Als Anerkennung für die
Teilnahme an unserem Wettbewerb erhält jede/r von euch einen Büchergutschein.«

Gudrun Perchermaier | Historischer Verein für den Chiemgau zu Traunstein